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Wasserwirtschaft

(© DIE GEWÄSSER-EXPERTEN!, Wagner)

In der Gewässerstruktur unveränderter, naturnaher Abschnitt eines Mittelgebirgsbaches, der einen möglichen Zielzustand der Gewässerentwicklung darstellt (hier: Feilebach im Flussgebiet der Weißen Elster)

Bild eines unveränderten und naturnahen Abschnittes des Feilebaches im Flussgebiet der Weißen Elster. Es ist der Flusslauf mit üppiger Ufervegetation zu sehen.
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(© SBS Schreyer)

Abschnitt der Spree unterhalb von Neudorf/Spree, der aufgrund seiner Naturnähe als Referenz und damit als geplanter Zielzustand für das Projekt "Redynamisierung der Spree" definiert wurde.

Naturnaher Gewässerabschnitt der Spree
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(© SMEKUL)

Die Abgabe oberflächennahen Wassers an den Unterlauf im Rahmen des Hochwasserschutzes, sowie die Entnahme von Rohwasser aus unterschiedlichen Höhen stellen Maßnahmen zur Anpassung der Steuerung von Talsperren an die Folgen des Klimawandels dar (hier. Talsperre Saidenbach).

Bild der Staumauer der Talsperre Saidenbach

Die veränderte Niederschlagsverteilung und die temperaturbedingte zunehmende Verdunstung beeinträchtigen gleichzeitig Wassermenge und Wassergüte von Oberflächen- und Grundwasser (→ Klimafolgen).

Anpassungsmaßnahmen an die Folgen des Klimawandels sind in folgende Handlungsbereiche zu untergliedern:

Den Rahmen zur (Wieder-)Herstellung des „guten ökologischen Zustands“ setzt die Europäische Wasserrahmenrichtlinie. Gewässer, die sich im Hinblick auf die Wassermenge und die Wassergüte (ökologischer und chemischer Zustand) in einem guten Zustand befinden, werden als widerstandsfähig(er) gegenüber den zu erwartenden Folgen des Klimawandels angesehen. Dementsprechend unterstützt die konsequente Umsetzung der Ziele der Wasserrahmenrichtlinie die Anpassung der Gewässer an die Folgen des Klimawandels (→ Beispiele).

Die Europäische Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie trägt unterstützend bei, in dem der Fokus auch auf den natürlichen Wasserrückhalt (in der Fläche) gelegt wird. Es soll der sogenannte Landschaftswasserhaushalt mit Blick auf den Bodenwasserspeicher und die Grundwasserneubildung gestärkt werden. Am Gewässer selbst wirkt beispielsweise das Sächsische Auenprogramm sowohl positiv im Hinblick auf den natürlichen Wasserrückhalt in Auen, als auch positiv im Hinblick auf die Gewässerökologie.

Die genannten Aufgabenschwerpunkte gelingen nur unter Einbezug einer Vielzahl von Akteuren aus der Land- und Forstwirtschaft, dem Naturschutz, der Wasser- als auch Energiewirtschaft. Der Nachsorge der Tagebaurestseen in Ost- und Nordsachsen im Hinblick auf die Wiederherstellung eines natürlichen Wasserhaushaltes kommt hierbei eine besondere, länderübergreifende Bedeutung zu. Zudem bedarf es der Akzeptanz in der Bevölkerung, da für die Umsetzung einer Vielzahl von Maßnahmen Flächen benötigt werden.

Die Hauptaufgabe der Wasserwirtschaft ist es, bei einem zukünftig stärker schwankenden Wasserdargebot sowie mannigfaltigen Nutzungsansprüchen und damit verbundenen Belastungen landesweit die Nachfrage nach Trink- und Brauchwasser im Einklang mit der gesetzlich normierten, nachhaltigen Bewirtschaftung der natürlichen Wasserressourcen sicherzustellen.

Die Wasserversorgungsinfrastruktur und die Bewirtschaftung müssen an die sich ändernden Bedarfsmengen bei der Trink- und Brauchwassernutzung angepasst werden. Hier kommt den regionalen Aufgabenträgern der öffentlichen Wasserversorgung eine wichtige Rolle bei der Fortschreibung der betrieblichen Wasserversorgungskonzepte zu. Die Konzepte bilden den klimawandelbedingten Anpassungsbedarf örtlicher Infrastruktur ab und sind die Grundlage für regionale und überregionale Maßnahmenpläne. Handlungsrahmen und -grundsätze dafür werden in der sächsischen Grundsatzkonzeption öffentliche Wasserversorgung 2030 verankert. Zudem sichert die konsequente Aktualisierung und Neuausweisung von Trinkwasserschutzgebieten die Rohwassergüte und ermöglicht so eine energie- und ressourcenschonende naturnahe Wasseraufbereitung.

Für die Anpassung der Trink- und Brauchwasserversorgung aus Talsperren an geänderte klimatische Randbedingungen werden die Optimierung und Flexibilisierung der Bewirtschaftung, der Ausbau und die Erweiterung des Verbundsystems und die Erhöhung des Rohwasserdargebotes durch die Anbindung weiterer zusätzlicher (Teil)-Einzugsgebiete (Überleitungen) an den jeweiligen Zufluss standortkonkret geprüft.

In den Flussgebieten Zwickauer Mulde, Weiße Elster, Freiberger Mulde, Spree und Schwarzer Schöps wird die Wasserführung in Niedrigwasserzeiten durch gezielte Zuschusswasserabgaben aus ausgewählten Talsperren gestützt (sogenannte Niedrigwasseraufhöhung)

Für ein effektives Niedrigwassermanagement ist zudem die überregionale Zusammenarbeit der beteiligten Akteure essentiell. Ein gelungenes Beispiel dafür ist bereits die Zusammenarbeit der Wasser- und Bergbehörden von Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt mit den Bergbauunternehmen LEAG und LMBV im Rahmen der AG Flussgebietsbewirtschaftung Spree-Schwarze Elster seit Ende der 1990er Jahre. Für die Braunkohlenregion "Mitteldeutsches Revier" wurde 2019 eine Strategiearbeitsgruppe „Flussgebietsbewirtschaftung Westsachsen“ mit einer dazugehörigen Facharbeitsgruppe installiert, in denen neben Vertretern der Wasser-, Berg- und Planungsbehörden Sachsens und Sachsen-Anhalts auch die Bergbauunternehmen MIBRAG und LMBV eingebunden sind.

Durch die Prüfung und erforderlichenfalls Aktualisierung der Risikobewertung, der Gefahren- und Risikokarten sowie der Hochwasserrisikomanagementpläne – inklusive Maßnahmenprogramme – werden die konzeptionellen Grundlagen des Hochwasserrisikomanagements kontinuierlich an Änderungen im Wasserhaushalt angepasst.

Weiterhin gewinnt die Auseinandersetzung mit kleineren Gewässern im Zuge potenziell häufiger und intensiver werdender Starkregenereignisse an Bedeutung. Der Fokus liegt dabei auf:

  • Der Entwicklung praktikabler Werkzeuge für kommunale Akteure zur hochwasserangepassten Siedlungs- und Gewässerentwicklung sowie zur Gefahrenabwehr (→ Sächsische Pilotaktivitäten)
  • Der Ausrichtung des Hochwassernachrichten- und Alarmdienst auf die Herausforderung kleinräumiger Hochwasserereignisse in schnell reagierenden Einzugsgebieten (→ Hochwasserfrühwarnsystem)
  • der Risikokommunikation und Stärkung der Eigenvorsorge der Bevölkerung (→ Hochwasservorsorgenachweis)

Folgende Maßnahmen stellen gute Beispiele für die Anpassung an die Klimafolgen in ausgewählten Handlungsfeldern der Wasserwirtschaft dar:

© SBS Schreyer

Redynamisierung der Spree

Wie man mittels Reaktivierung von Altwässern und Auen den guten ökologischen Zustand des Gewässsers wiederherstellt und dabei den Hochwasserschutz berücksichtigt, zeigt ein Gemeinschaftsprojekt von LTV, DBU und dem Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.

Bild der Staumauer der Talsperre Saidenbach mit Absenkschütz zur Abgabe von Oberflächenwasser in die Hochwasserentlastungsanlage
© SMEKUL

Kombinierter Hochwasser- und Trinkwasserschutz

Ein höhenvariabler Verschluss wurde 2012 an der Hochwasserentlastungsanlage der Talsperre Saidenbach eingebaut. Damit kann oberflächennahes Wasser an den Unterlauf abgegeben werden. Das für die Trinkwasseraufbereitung wertvolle kalte und qualitativ hochwertigere Tiefen­wasser bleibt hingegen geschont.

Bild eines Mobilfunkmast
© KIT Chwala

Verbesserte Hochwasserfrühwarnung

Wie Akteure der Hochwasser- und Gefahrenabwehr, wie Feuerwehren, Gemeindeverwaltungen oder untere Wasserbehörden, unter anderem die Nutzung kommerzieller Richtfunkstrecken zur präziseren Niederschlagsschätzungen in die Bewertung der aktuellen Hochwassergefährdung einbeziehen können, wird aktuell im Vogtland, im Osterzgebirge und in der Oberlausitz getestet.

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