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Vitales Stadtgrün
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Starkregen in der Stadt
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Planung zur Klimawandelanpassung

Die kontinuierliche Erwärmung bringt lange Trocken- und Hitzeperioden mit sich, welche die menschliche Gesundheit gefährden und zu Ausfällen in der Land- und Forstwirtschaft führen können.

Starkregen in den Sommermonaten lösen vermehrt Überschwemmungen und Erdrutsche aus, die zu Schäden an der Infrastruktur und an Gebäuden führen können.

Städte und Gemeinden müssen sich auf diese veränderten klimatischen Bedingungen einstellen, um sich bestmöglich vor den negativen Folgen zu schützen. Bei den Kommunen fehlen jedoch oft finanzielle und personelle Ressourcen.

Zusätzliche Unterstützung und ein umfangreiches Wissen über Klimaänderungen und deren Folgen sind daher für die Umsetzung von Maßnahmen erforderlich.

Winderosion
Winderosion in Kreba-Neudorf  © LfULG: Markus Thieme

Anpassung muss nicht immer kompliziert sein

Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel betreffen fast alle kommunalen Handlungsfelder. Da stellt sich natürlich die Frage: Wo sollte man beginnen? Ein Anpassungskonzept erstellen? Zentrale Plätze umgestalten? Den Hochwasserschutz verbessern? Muss man neue Bäume pflanzen? Wenn ja, welche?

Darauf kann es keine allgemeingültige Antwort geben. Die finanziellen Möglichkeiten und lokalen klimatischen Herausforderungen unterscheiden sich von Kommune zu Kommune. Daher kann der erste Schritt sein, die künftigen klimatischen Gegebenheiten in  aktuelle Planungsprozesse einfließen zu lassen.

Um eine Idee von der kommenden Klimaentwicklung (Temperatur, Niederschlag, Trockenheit) zu bekommen können unter ReKIS Kommunal Klimasteckbriefe für Ihre Kommune herunterladen.

Neue Bäume braucht die Stadt

Vitales Stadtgrün © LfULG: Dominic Rumpf

Stadtgrün ist mehr als nur Zierde am Straßenrand oder im Park. Besonders Bäume wirken durch Verschattung sowie Verdunstung ausgleichend auf das Mikroklima und eignen sich daher besonders gut den Folgen des Klimawandels in städtischen Bereich entgegenzuwirken.

Hitzestress wirkt sich negativ auf die menschliche Leistungsfähigkeit aus. Auch sind besonders (Klein-)Kinder, Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen und alte Menschen besonderen gesundheitlichen Risiken (z.B. verstärktem Potential zu dehydrieren) ausgesetzt. Städtische Hitzeinseleffekte verstärken in dichter besiedelten Stadtteilen die Belastung durch steigende Temperaturen. Da das Baumaterial von Gebäuden Wärme speichert trägt dichte Bebauung auch zu nächtlichen Überhitzungen bei und wirkt sich besonders negativ auf die menschliche Gesundheit in Hitzeperioden aus, da Regenerationsphasen verkürzt werden oder gänzlich unterbunden sind.

Laut Universität Wageningen kann die Kühlleistung eines einzelnen Baumes in der unmittelbahren Umgebung 20 bis 30 Kilowatt betragen, was in etwa der Leistung von 10 haushaltsüblichen Klimaanlagen entspricht. In Parks kann die Temperatur so um ca. 1,0°C gegenüber dem Zentrum abgesenkt werden, die gefühlte Temperatur sogar um 1,9°C.

Durch die steigende sommerliche Hitzebelastung in Kombination mit Niederschlagsmangel konnte in den letzten Jahren ein verstärktes Absterben von Stadtgrün beobachtet werden. Bei der Neupflanzung sollte man die langfriste Veränderung des Klimas bedenkten. Eine Hilfestellung bietet dabei die Stadtbaumliste der Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) oder die Citree-Datenbank der TU-Dresden.

Zusätzlich bedarf es einem Bewässerungskonzept, da ein Stadtbaum pro Woche 200 Liter Wasser benötigt. Jungbäume benötigen besonders viel Aufmerksamkeit, da ihre Wurzeln noch nicht an das Grundwasser heranreichen. Wasser ist ein teures und wertvolles Gut und die Bewässerung ist oft logisch schwierig. Anstatt Regenwasser in das Kanalnetz einzuleiten kann es von Dachflächen oder versiegelten Plätzen in Zisternen abgeleitet werden um nahegelegene Parks oder Stadtbäume zu bewässern. In den letzten Jahren haben sich auch Baumbewässerungsbeutel bewährt um eine gleichmäßige Bewässerung über einen längeren Zeitraum sicherzustellen.

Ein umfassendes, exemplarisches Stadbaumentwicklungs- und Bewässerungskonzept wird momentan im Rahmen des Projektes LIFE LOCAL ADAPT gemeinsam mit der Stadt Zwickau erstellt und voraussichtlich Mitte 2021 fertiggestellt.

Bewässerungsbeutel an jungem Baum
Beispiel eines Baumbewässerungsbeutel an einem jungen Baum in der Stadt Zwickau  © LfULG: Martina Staková

Starkregenvorsorge statt Nachsorge

Geordnerte Abfluss Starkregen © LfULG: Janka Soltes

Starkregenereignisse können nahezu an jedem Ort zu Überflutungen führen, häufig mit nur sehr kurzer Vorwarnzeit. Die durch den Klimawandel aufgeheizte Atmosphäre wird immer turblenter und somit steigt die Häufigkeit von Extremereignissen.

Das paneuropäische Projekt Rainman hat sich intensiv mit dem Thema Starkregenvorsorge auseinandergesetzt und einen Werkzeugkasten für Kommunen entwickelt.

Erfolgreiches Starkregenrisikomanagement beginnt mit Risikobewertung und Kartierung, um potenzielle Starkregengefahren und -risiken zu identifizieren, zu lokalisieren und zu bewerten. Lokale Behörden müssen wissen, wo sich das Oberflächenwasser sammelt und wo sich Risiken für Menschen, Infrastruktur und Eigentum ergeben, wenn es sich einen Weg zum nächsten Fluss oder See bahnt. Die Kartierung von Starkregengefahren und -risiken hilft, das Thema z.B. den Bürgern oder dem Katastrophenschutz zu vermitteln. Das Werkzeug erklärt die verschiedenen Elemente und Schritte, aus denen eine Risikobewertung für starkregenbedingte Überflutungen besteht.

Risikokommunikation und Öffentlichkeitsarbeit sind wichtige Bestandteile im Umgang mit starkregenbedingten Überflutungen und der Schadensminderung. Ohne eine gute Kommunikation mit den vom Starkregenrisiko Betroffenen werden diese ihre Risiken nicht ausreichend verstehen oder sie werden ihnen gar nicht bewusst sein. Das Werkzeug Risikokommunikation erklärt, welche Botschaften an die relevanten Personen und Institutionen vermittelt werden sollen. Sie erfahren, welche Maßnahmen im Zusammenhang mit Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt werden können. Gute Beispiele zeigen konkrete Handlungsmöglichkeiten auf und inspirieren zur eigenen Umsetzung.

Das Werkzeug Maßnahmen zur Risikominderung hilft lokalen und regionalen Verwaltungen, geeignete Maßnahmen zur Risikominderung zu finden, auszuwählen und umzusetzen. Dabei gilt es, verschiedene Strategien zur Risikominderung zu kombinieren und alle Handlungsfelder zu berücksichtigen! Das Werkzeug gibt Ihnen die Möglichkeit, verschiedene Handlungsfelder innerhalb von Kommunen und Regionen zu erkunden: Lernen Sie die potenziellen Risiken und die jeweiligen Strategien zu deren Bewältigung kennen. Die Seiten zu den identifizierten Strategien bieten viele zusätzliche Informationen. Oder Sie suchen direkt in unserem Katalog der 100 Maßnahmen zur Risikominderung.

Weitere allgemeine Anpassungskonzepte und spezifische Projekte zur Erosionsminderung können Sie im ReKIS-Kommunal aufrufen.

Einmal Planung mit Klimawandel bitte!

Planung Lauta © neuland

Der Klimawandel kennt keine Grenzen der behördlichen Zuständigkeiten. Um sich optimal anzupassen ist es bei Planungsprozessen, sei es Sanierung oder Neuerschließung, ist es ratsam die Erfordernisse des Klimawandel in allen Bereichen behördenübergreifend mitzudenken und die Anwohner stets einzubinden.

Einer besonderen Rolle ein der Freiraumplanung muss dabei Mikroklima zukommen. Dieses wird stark durch die Luftschneisen, Gebäudehöhen und einem funktionierenden Wasserkreislauf beeinflusst. Letzter reguliert durch die Verdunstung von (Grund-) Wasser nicht die Luftfeuchtigkeit, sondern auch die Temperatur. Besonders effektiv ist die sogenannte Evapotranspiration der Pflanzen, da so gleichmäßig über einen längeren Zeitraum Wasser aus den Boden an die Luft abgegeben wird und Verdunstungskälte entsteht. Dies setzt allerdings eine dauerhaft ausreichende Wasserversorgung voraus.

Es gibt zwei große Herausforderungen, die den Wasserkreislauf aktuell und noch stärker in der Zukunft beeinflussen: Die Zunahme der Starkregenereignisse mit gleichzeitig längeren Trockenperioden und die Zunahme heißer Tage und Extremtemperaturen. Daher ist es wichtig die lokalen Gegebenheiten auszunutzen um ein vitales Stadtgrün zu erhalten.

Vorhandene Gewässer, wie Teiche in einem guten Zustand, können als zusätzlicher Wasserspeicher dienen, das Mikroklima positiv beeinflussen und zum Anziehungspunkt der Anwohner werden. Durch Rigolen (kleine Mulden) können wie ein Schwamm Wasser nach Starkregen auffangen und langsam versickern. Idealerweise befindet sich Stadtgrün in der Nähe, welchem so länger Wasser zur Verfügung steht.

Ein sehr gutes Beispiel ist das Modellprojekt Lauta-Süd, bei dem die lokalen Gegebenheiten konsequent so genutzt werden das das Wohngebiet attraktiver, belebter und an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst wird. Dies bedurfte gemeinsamer Anstrengungen Seites der Stadt, Wohnungsbaugesellschaft, Anwohner und lokalen Unternehmern. Jetzt fehlt nur noch die Finanzierung, um die Planung erfolgreich umsetzten zu können.

Mehrwert schaffen

Die Mehrwert-Initiative „Nachhaltig aus der Krise“ bietet neben konjunkturellen Impulsen die große Chance, durch gezielte Anreize und einen klugen Einsatz der verfügbaren Ressourcen, die Weichen für nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum, für eine resiliente Ökonomie und Ökologie sowie für einen klimafreundlichen Transformationspfad zu stellen.

Die Förderung wird einmalig vergeben. Der Bewerbungszeitraum endet am 31. März 2021.

Gewährt werden Zuwendungen in Form einer anteilsfinanzierten Projektförderung. Für die Umsetzung Ihres Projektes sind Zuwendungen in Höhe von 20.000 Euro bis 500.000 Euro und Fördersätze von 50 Prozent bis maximal 90 Prozent möglich. Beschränkungen der Höhe der Zuwendungen sind auf Grundlage des europäischen Beihilferechts (Wettbewerbsrecht) möglich. Gewerblich oder freiberuflich Tätigen wird ein Fördersatz von maximal 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben gewährt.Für die Umsetzung von Projekten im Rahmen der Förderrichtlinie „Nachhaltig aus der Krise“ stehen insgesamt 26,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Zu den drei folgenden Schwerpunkten können Projekte eingereicht werden:

I. Nachhaltige Land-und Forstwirtschaft

Förderung von u.a. investiven/ nichtinvestiven Maßnahmen:

  • zum Erosions-und Bodenschutze
  • zur nachhaltigen Anlage von Landschaftselementen, Biotopen oder Biotopverbundsystemen

II. Klimafolgenbewältigung

Förderung von u.a. investiven/ nichtinvestiven Maßnahmen:

  • zur nachhaltigen sowie klimaresilientenAnlage und verbesserten Unterhaltung von Stadtgrün, Alleen und Biotopen innerhalb von Siedlungsgebieten
  • zur innerstädtischen Abkühlung, Verschattung, Durchlüftung einschließlich der Schaffung von Trinkbrunnen•zur dezentralen Regenwasser- und Grauwassernutzung oder zum dezentralen Regenwasser-und Grauwassermanagement
  • zur Renaturierung von Gewässern
  • zum lokalen Erosionsschutz und Wasserrückhalt oder Moorrevitalisierung

III. Zukunftsfähige Energieversorgung

  • Modellvorhaben im Bereich Wasserstoffwirtschaft
  • Machbarkeitsstudien und Modellvorhaben zur innovativen Nutzung von Photovoltaik
  • Machbarkeitsstudien zur Entwicklung von Gemeinden als Modellgemeinden für eine zukunftsfähige Energieversorgung

Die vollständige Förderübersicht und weitere Details entnehmen Sie bitte der Förderrichtlinie unter  https://www.mehrwert.sachsen.de/

Eine Übersicht zu weiteren Fördermöglichkeiten finden Sie unter ReKIS kommunal.

© Logo des EU-Projektes LIFE LOCAL ADAPT

EU-Projekt LIFE LOCAL ADAPT

Laufzeit: 06/2016 - 06/2021; Im Rahmen des EU-Projektes werden kleine und mittlere Kommunen in Sachsen bei der Planung und Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel beraten und unterstützt. Hierzu werden praxisnahes Wissen zur Anpassung an den Klimawandel vermittelt, kommunale Ressourcen zur Integration von Aktivitäten zur Klimaanpassung ergänzt sowie die Umsetzung konkreter Anpassungsmaßnahmen unterstützt.

Logo Regklam (Quelle: IÖR)

REGKLAM - Integriertes Regionales Klimaanpassungsprogramm für die Modellregion Dresden

Laufzeit: 07/2008 - 12/2013; Mit dem Verbundvorhaben sollte ein konkreter Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel in der Modellregion Dresden geleistet werden.

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